10 Ayurveda-Tipps
für eine ausgewogene Ernährung
von Kerstin Rosenberg

Expertin Kerstin Rosenberg ist Ayurveda-Spezialistin, Dozentin und erfolgreiche Buchautorin. In Deutschland, der Schweiz und Österreich bildet sie Ayurveda-Therapeuten, -Ernährungsberater und psychologische Berater aus. Zusammen mit ihrem Mann leitet sie die Europäische Akademie für Ayurveda, ein international anerkanntes Ayurveda Schulungs- und Kurzentrum in Birstein, Hessen.
Ayurveda, das traditionelle Heilwissen Indiens, gibt auch uns wertvolle Ernährungs-Empfehlungen. Mit ihnen bleiben wir körperlich und geistig fit und finden zu einem emotionalen Gleichgewicht. Typgerecht komponiert und gut verträglich zubereitet, versorgt uns das ayurvedische Essen mit Vitalenergie – und ist dabei ein Erlebnis für alle Sinne!
Die ayurvedische Ernährung besticht durch ihre Vielfalt, die eine wirkungsvolle Ernährungs-Therapie mit genussvoller Kochkunst kombiniert. Basis aller Speisen sind frische Nahrungsmittel, die typgerecht ausgesucht und im Einklang mit Tages- und Jahreszeiten auf den individuellen Stoffwechsel abgestimmt werden. Gewürze und Kräuter spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie verbessern nicht nur den Geschmack unserer täglichen Speisen, sondern beeinflussen auch ihre Verträglichkeit und Wirkung positiv.
Das Besondere der Ayurveda-Ernährung
Die ayurvedische Ernährung
• ist typgerecht: Ernährungsempfehlungen richten sich nach der individuellen Konstitution und den Gesundheitsstörungen einer Person.
• ist kreativ und undogmatisch: Geschmäcker sind individuell verschieden und variieren mit dem Kulturkreis. Deshalb lässt die ayurvedische Ernährungslehre Raum für persönliche Vorlieben.
• berücksichtigt die körperliche, geistige und emotionale Wirkung: Je nach den persönlichen Bedürfnissen zielt die Ernährungsweise primär darauf ab, Körperzellen zu erneuern, den Körper zu heilen oder die Seele glücklich zu stimmen.
• beachtet den Zyklus der Zeiten: Die Wahl und Zubereitung von Nahrungsmitteln richtet sich nach Tages- und Jahreszeiten sowie nach der Lebensphase.
• ist Medizin: Bei vielen Krankheitsbildern können spezielle Diäten und Kuren die Heilung unterstützen.
• ist alltagstauglich: Rezepte und Richtlinien können dem eigenen Lebensstil angepasst werden.
10 Grundregeln der ayurvedischen Ernährung
Der Ayurveda kennt einen umfangreichen Katalog an Ernährungsregeln für die verschiedenen Konstitutionen und Gesundheitsstörungen. Erfahrene Ayurveda-Mediziner oder -Therapeuten können für ihre Klienten individuelle Empfehlungen zusammenstellen.
Daneben gibt es jedoch einige Grundprinzipien, die für alle Menschen vorteilhaft sind. Sie helfen, das persönliche Gleichgewicht zu erhalten oder wiederzufinden, die Verdauung zu optimieren und insgesamt die Leistung zu steigern. Die folgenden Anregungen lassen sich in den täglichen Speiseplan integrieren und können auch gezielt im Rahmen einer ernährungstherapeutischen Diät eingesetzt werden.
1. Die rechte Menge
Beim Essen kommt es auf das richtige Maß an. Zu viel Nahrung führt ebenso zu Störungen wie zu wenig. Als Faustregel teile das Magenvolumen in vier Teile: Einen Teil für flüssige Nahrung (zum Beispiel Suppen und Getränke) reservieren , zwei Viertel für feste Speisen. Für eine optimale Verdauung sollte der vierte Teil leer bleiben.
2. Keine Getränke vor und nach den Mahlzeiten
Ein bis eineinhalb Stunden vor und nach dem Essen nichts zu trinken, hält das Verdauungsfeuer aufrecht. Lediglich verdauungsfördernde Tees sind vor den Mahlzeiten hilfreich. Direkt zum Essen kannst Du Deine Verdauung unterstützen, in dem Du ein Glas heißes Wasser in kleinen Schlucken trinkst. Allgemein eignen sich warmes Leitungswasser, Mineralwasser ohne Kohlensäure und Kräutertees am besten, um sich über den Tag verteilt mit Flüssigkeit zu versorgen.
3. Auf die Nahrungsqualität achten
Bevorzuge regionale und saisonale Produkte mit hoher Qualität, am besten aus Eigenanbau oder aus dem Bioladen. So kannst Du sicher sein, dass die Lebensmittel möglichst wenig mit Düngemitteln, Konservierungsmitteln, Schadstoffen und Insektiziden in Berührung gekommen sind. Wenn Du mit frischen, hochwertigen Zutaten und mit Liebe kochst, nimmst Du reine Nahrung zu Dir!
4. Mahlzeiten selbst zubereiten
Koche selbst, wann immer es möglich ist, und bevorzuge warme Speisen. Wärme stimuliert den Stoffwechsel und die Verdauung, so dass Dein Organismus die Nahrung leichter aufspalten und verwerten kann. Wenigstens die Hauptmahlzeiten am Mittag und am Abend sollten warm zubereitet sein.
5. Der gute Geschmack zählt
Wähle solche Nahrungsmittel aus, die Dir schmecken und die Du gut verträgst. Deine Speisen sollten mit Deiner Konstitution (prakrti) sowie ggf. aktuellen Gesundheitsbeeinträchtigungen im Einklang stehen.
6. Lasse Dir Zeit beim Essen
Iss mit Muße, aber nicht zu langsam. Wenn Du die Nahrung gut kaust und genussvoll isst, nimmst Du Darm und Magen viel Arbeit ab.
7. In schönem Ambiente essen
Speise in einer Umgebung mit angenehmer Atmosphäre, denn auch das seelische Wohlbefinden ist wichtig beim Essen. Es ist gut, der Nahrungsaufnahme volle Aufmerksamkeit zu schenken. Nebenher zu lesen, viel zu reden oder fernzusehen, wirkt sich nachteilig auf Deine Verdauung und damit auf Deine Gesundheit aus.
8. Regelmäßiger Essensrhythmus ohne Snacks
Speise zu festen Zeiten und verzichte möglichst auf Zwischenmahlzeiten. Erst wenn die letzte Mahlzeit verdaut ist, können sich Verdauungssystem und Stoffwechsel neuen Aufgaben zuwenden. Deshalb ist es gut, wenige Mahlzeiten einzunehmen und den kleinen Snack zwischendurch wegzulassen. Empfehlenswert sind drei Mahlzeiten am Tag. Frühstück und Mittagessen sind am Abend verdaut, das Abendessen am nächsten Morgen.
Morgens ist ein kleines, leichtes Frühstück ideal, denn die Verdauung ist zu dieser Tageszeit noch träge. Die Hauptmahlzeit solltest Du mittags zu Dir nehmen, wenn die Verdauung am stärksten arbeitet. Ungefähr drei Stunden vor dem Schlafengehen ist es Zeit für eine leichte, warme Mahlzeit. Bitte vermeide abends solche Speisen, die die Transportfunktionen (srotas) beeinträchtigen. Das sind zum Beispiel Joghurt, Käse und säuerliche Nahrungsmittel.
9. Mahlzeiten mit sechs Geschmacksnoten
Der Ayurveda bezeichnet eine Mahlzeit als ausgewogen, wenn sie die ganze Bandbreite der sechs Geschmacksrichtungen abdeckt. Optimal ist es, folgende Reihenfolge einzuhalten: süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb. Diese Abfolge spiegelt die Phasen der Verdauung wider. Verwende Ghee (Butterfett), um den Geschmack zu unterstreichen und die Verdauung zu unterstützen.
10. Nahrungsmittel klug kombinieren
Im Ayurveda gelten bestimmte Kombinationen von Nahrungsmitteln als schädlich. Sie hemmen die Transportfunktionen und verändern das Blut, was verschiedene Krankheiten – besonders der Haut – verursachen kann.
• Milch verträgt sich nicht mit Salzigem oder Saurem, Bananen, Granatäpfeln, Rettich, Blattgemüse, Fisch, Fleisch, Senf, Knoblauch, Sesam oder Basilikum. Zu Milch passen: Amla-Früchte (Emblica officinalis), Weintrauben, Mango, Gerste, Reisflocken, Pfeffer, Ingwer, Zucker, Butter, Ghee und Honig.
• Fleisch zusammen mit Sprossen, Sesam, Zuckerrohrprodukten, Honig, Rettich oder Milch zu essen, kann Nervenstörungen hervorrufen. Bei Fischgerichten Joghurt, Milch und Buttermilch vermeiden.
• Gekochte Speisen nicht mit frischem Obst mischen. Säuerliche Früchte nicht gemeinsam mit Käse oder Joghurt essen.
Fotos: Frau isst © byheaven – Fotolia.com, weitere: Rosenberg Akademie für Ayurveda
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