Fertigmahlzeiten – wie der Körper auf sie reagiert
Hier kommt der direkte, schonungslose Vergleich: Wie verhalten sich industriell verarbeitete im Gegensatz zu frisch gekochten Mahlzeiten im Körper? Hochschuldozentin für Kunst, Medien und Technik, Stefani Bardin, zeigt mit ihrem “Smart Pill”-Projekt, dass viele vorgefertigten Speisen im Grunde unverdaulich sind…
Fertigmahlzeiten
Wie der Körper auf sie reagiert
Hier kommt der direkte, schonungslose Vergleich: Wie verhalten sich industriell verarbeitete Lebensmittel im Gegensatz zu frisch gekochten Mahlzeiten im Körper? Hochschuldozentin für Kunst, Medien und Technik, Stefani Bardin, zeigt mit ihrem “Smart Pill”-Projekt, dass viele vorgefertigten Speisen im Grunde unverdaulich sind.
Gemeinsam mit Gastroenterologe Dr. Braden Kuo von der Harvard Universität hat sie die erste klinische Studie erstellt, die dokumentiert, wie der menschliche Körper auf Fertigmahlzeiten reagiert.
Die Probanden schluckten vor einer Mahlzeit kleine runde Pillen mit installierten Kameras, sogenannte M2A-Kapseln (“Mouth to Anus”). Diese filmen jeweils bis zu acht Stunden des Verdauungsprozesses, also vom Mund bis hin zum Dünndarm. Währenddessen funken sie ähnlich wie Bluetooth die Bilder an das bereit stehende Aufnahmegerät. Hinzu kamen kleine “Smart-Pills”, die den Druck und die Zahl der Kontraktionen des Verdauungskanals messen, ebenso wie die Temperatur und den pH-Wert des Darms. Beide Pillen wurden anschließend mit dem normalen Stuhlgang wieder ausgeschieden.
Für die Studie nahm die eine Hälfte der Probanden eine Mahlzeit aus industriell verarbeiteten Lebensmitteln zu sich, die andere Hälfte ein vergleichbares Gericht, das jedoch frisch zubereitet wurde. Dabei handelte es sich um Nudelsuppe, Gummibärchen und Gatorade, eine blaue Flüssigkeit, die als Sportgetränk vermarktet wird.
Einige Inhaltsstoffe basieren auf Erdöl
Hier sind die vorläufigen Ergebnisse der Studie: Die blaue Farbe des Gatorade-Getränks bleibt erhalten. Das liegt daran, dass der enthaltene künstliche Farbstoff auf Erdöl basiert. Da künstliche Farb- und Aromastoffe als geistiges Eigentum der jeweiligen Unternehmen gelten, müssen diese ihre genaue Zusammensetzung übrigens nicht preisgeben. Sowohl in den USA als auch in der EU werden in diesem Zusammenhang wirtschaftliche vor gesundheitliche Interessen gestellt.
Bereits nach 20 Minuten Verdauungsarbeit sind die frisch zubereiteten Nudeln weitgehend zerlegt. Die Fertignudeln in dieser Studie sind weit schwerer verdaulich. Das liegt daran, dass sie ein künstliches Antioxidans enthalten, das ebenfalls auf Erdöl basiert – und mit Butan verwandt ist, dem Gas, mit dem auch Feuerzeuge befüllt werden. Ironisch kommentiert Stefanie Bardin: “Diese Fertignudeln sind dazu gemacht, Armageddon zu überstehen. Unsere selbst zubereiteten Nudeln sind dazu gemacht, gegessen zu werden.”
Sinn der Studienreihe von Stefanie Bardin soll sein, oftmals verschleierte Informationen über unsere Lebensmittelindustrie offen zu legen. So können die Menschen informierte Entscheidungen darüber treffen, was sie nun gerne essen möchten. DW
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