Hochsensibel – Workshop bei Aurum Cordis
Wenn Dinge wie Einkaufen, Fernsehen oder Radio regelmäßig zu einer nervlichen Belastungsprobe werden, kann die Ursache bei außergewöhnlich niedrigen Reizfiltern im Gehirn liegen. Diese sind zum einen der Grund, warum Hochsensible viel Ruhe brauchen, zum anderen aber auch, warum sie besonders viel und intensiv wahrnehmen. Ein Workshop im November hilft Betroffenen, Kraft zu finden und sich selbst zu erden…
Hochsensibel
Workshop bei Aurum Cordis
Es ist laut, zu laut. Viele Menschen bewegen sich, viele bunte Produkte funkeln mich an, es ertönt eine Kakophonie aus diversen Ladenbeschallungen. Bäcker-, Burger- und Bratwurstgerüche vermengen sich zu einer aufdringlichen Melange, von der ich vor allem eins wahrnehme: das schlechte Fett, in dem die Speisen zubereitet wurden. Mein Puls schlägt schneller, manchmal bekomme ich regelrecht Beklemmungen. Was für andere Menschen eine Freude ist – das Shoppen in der Einkaufspassage – wird für mich immer wieder zum Belastungstest.
Die vielfältigen Sinneseindrücke und Kauf-Aufforderungen erschlagen mich geradezu und ich habe Mühe, meine Gereiztheit zu unterdrücken. Ich nehme die Qualität der Textilien intensiv wahr, rieche die Chemikalien, mit denen sie behandelt wurden und bemerke, wie meine Haut mit Kribbeln auf sie reagiert. Selbst angenehme Eindrücke wie z.B. eine hübsche Schaufenster-Dekoration oder der Duft von Kaffee sind mir in diesem Kontext einfach zu viel.
Hochsensibilität als Gabe
Hochsensibel nennen Forscher das Phänomen, wenn ungewöhnlich wenig Reizfilter im Gehirn aktiv sind. Das fühlt sich so ähnlich an, als würde man einen Lautsprecher aufdrehen oder Dinge durch eine Lupe betrachten: Jeder Eindruck bohrt sich riesengroß ins Bewusstsein und mischt sich mit vielen weiteren Sinneswahrnehmungen, die alle Aufmerksamkeit beanspruchen. Ungewöhnlich ist dieses Phänomen nicht: Schätzungen zufolge werden sogar 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung als hochsensibel eingestuft.
Die moderne hektische Welt mit ihrem Hyper-Konsum und den vielen rasch wechselnden Fernsehbildern und Radio-Jingles wird für Hochsensible schnell zur Belastungsprobe. Nichtsdestotrotz empfinden viele ihr Anderssein als Gabe. Denn Hochsensible nehmen oft besonders früh Dinge wahr. Weil bei ihnen mehr Sinneseindrücke im Gehirn parallel verarbeitet werden, fällt es ihnen leicht, Zusammenhänge zwischen scheinbar separaten Geschehnissen herzustellen. Und die Lust, angenehme Sinneseindrücke wie z.B. den Duft einer Blumenwiese im Sommer wahrzunehmen, ist unbeschreiblich.
Hilfe und Selbsterfahrung
für Hochsensible
Susan Marletta-Hart weiß, wie es hochsensiblen Menschen geht. Sie ist Autorin des Buches Achtsam leben mit Hochsensibilität (Aurum Verlag, 16,95 Euro) und gibt Kurse und Workshops für Betroffene. Denn wer sich ständig mit allen möglichen Aspekten seiner Umwelt beschäftigt, gerät leicht aus dem inneren Gleichgewicht – Erschöpfung oder sogar Angst können die Folge sein. Susan Marletta-Hart arbeitet deshalb mit Körper- und Energieübungen, die helfen, sich selbst wieder zu zentrieren und die eigenen Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen. Der Workshop Kraft und Erdung für hochsensible Menschen findet am 12. und 13. November im Aurum Cordis Haus in Buxtehude statt. Kostenpunkt 180,- Euro. Anmeldung bei Aurum Cordis.
DW, Fotos: rothaarige Frau © photoCD – Fotolia.com, Neuronen © adri76 – Fotolia.com, Workshopleiterin: Susan Marletta-Hart










2 Kommentare zu Hochsensibel – Workshop bei Aurum Cordis
hallo,
ich habe den workshop für hochsensible bei euch gelesen und wende mich jetzt mal direkt an euch als experten.

ich bin auf meiner suche nach erklärungen und verständniss für mich selbst über das thema hsp gestoßen und hatte immer das gefühl, – ich bin doch aber nicht zurück gezogen. also entdeckte ich, ich bin extrovertiert. hatte aber immer noch das gefühl – ich bin nicht so schnell überflutet zb vom shoppen. entdeckte dann die beschreibung für hss/hsp und alles hilfreiche was mir sooo viel von meinem leben und wesen erläutert wurde noch klarer.
ich habe durch meine ständige suche nach reizen und erlebnissen oft den hin und her zug in mir, das ich eigentlich daheim bleiben möchte um mich auszuruhen , aber gleichzeitig etwas erleben möchte. da das thema hsp jetzt grad doch mehr hochkommt und es aber immer um die zurück gezogenen, schnell überforderten geht, habe ich oft das gefühl das passt für mich nicht.
meine fragen gehen nun irgendwie suchend in die richtung, gibt es eventuell literatur die mir weiterhilft oder könnt ihr mir dreieinhalb worte sagen…. so ganz sicher bin ich mir grad nicht ob es wohl so richtig war euch einfach zu schreiben, aber wie war das, nur versuch macht klug
ich danke euch fürs lesen und finde es toll das es euch gibt
lieben gruss san
Liebe Sandra,
für das, was Du schilderst, möchte ich zwischen verschiedenen Erklärungssystemen hin- und herswitchen, weil ich so auf verschiedene Aspekte und Ansätze eingehen kann. Es klingt, als könntest Du nach ayurvedischem Verständnis über eine Vata-Pitta-Konstitution verfügen. Für eine genaue Diagnose müsste allerdings ein Ayurveda-Arzt u.a. auch eine Puls- und evtl. Zungendiagnose durchführen.
Merkmal des Pitta-Doshas ist ein starker “Drive”: viel Lebenslust und Energie. Das Vata-Dosha sorgt u.a. dafür, dass Du eine schnelle Auffassungsgabe hast, aber auch eine zarte, sensible Seite. Beide zusammen bewirken meist ein großes Kommunikationstalent und Kontaktfreudigkeit.
Nun ist die Gefahr bei einer solchen Konstitution, dass der Mensch sich leicht zuviel zumutet. Wie Du auch schilderst, gerät man so manches Mal in einen Konflikt zwischen Erholungsbedürftigkeit und dem Drang, etwas zu erleben.
Doch das Bedürfnis nach Erholung darf keinesfalls unterschätzt werden. Wird es zu oft ignoriert, können schlimmstenfalls depressive Zustände auftreten (neben einer veringerten Immunabwehr und einer beschleunigten Alterung). Denn – und jetzt springen wir zur Biologie – jedes Gehirn braucht auch eine Erholungsphase für seine Neurotransmitter. Tage- und nächtelange Partys beispielsweise können die Vorräte an den Synapsen in den Keller fallen lassen, die Folge ist das “Post-Party-Tief”. In vielen philosphischen und religiösen Systemen gibt es das Streben, nach der goldenen Mitte. Die ist in unserer Hyper-Kultur etwas verloren gegangen. Hier und heute sollen wir immer viel leisten, viel Spaß haben, viel – was auch immer. Doch damit riskieren wir dann eben ein Abschmieren der Neurotransmitter und ggf. irgendwann ein Burnout.
Deshalb lieber immer wieder bewusst Momente der Erholung einbauen und sie auch einhalten. Gut geeignet sind z.B. kleine Yoga-Sequenzen so wie hier: http://www.weeyoo.de/weeyoo-yoga-strecke-teil-1-beruhigende-sequenz/ Auch schöne lange Kuscheleinheiten mit Deinen Liebsten sind gesund, laden Deine Batterien auf und gleichen aus. Menschliche Berührung wird leider viel zu wenig thematisiert, dabei brauchen wir sie alle.
Achte zudem mit Deinem sensiblen und aufnahmefähigen Gemüt immer besonders auf gute Nervennahrung: http://www.weeyoo.de/essen-fuer-die-seele/ Die richtigen Nährstoffe machen seelisch viel widerstandsfähiger. Möglicherweise verfügst Du auch über ein hohes Maß intuitiver Fähigkeiten? Darüber werden wir in Kürze im Detail schreiben.
Ich hoffe, diese Antwort konnte Dir ein wenig weiterhelfen, liebe Grüße, Debby