Künstliche Lebensmittel: Kommt unser Fleisch bald aus dem Labor?

Wann kommt unser Fleisch aus der Petrischale im Labor – Zukünftige künstliche Lebensmittel und wie weit die Wissenschaft mit Ihren Forschungen ist?

Künstliche Lebensmittel: Kommt unser Fleisch bald aus dem Labor?

Hamburg, 19.04.2012. Die Weltbevölkerung wächst stetig an, gleichzeitig steigt in Schwellenländern wie China und Indien die Nachfrage nach Fleisch. Auch den Deutschen ist die Esslust auf Fleisch nicht vergangen, obwohl mancher Skandal und veröffentlichte Berichte die derzeitige Massentierhaltung als quälerisch und klimaschädlich kritisch hinterfragen. Haben wir jetzt eine neue Alternative aus dem Labor?

 

Von der Zelle zum Hackbällchen

Bis Oktober will der niederländische Physiologe Prof. Mark Post im Labor Zellkulturen heranzüchten, mit dem er einen Burger aus Synthetik-Rinderhack präsentieren kann. Ziel ist es, aus programmierten Stammzellen möglichst viel Muskelgewebe zu erhalten. Den Kulturen werden dazu regelmäßig Elektroschocks zugefügt. Mit dieser Trainingsmethode soll sichergestellt werden, dass die Zellkulturen ähnliche Muskelfasern aufbauen, wie wir sie von natürlichen Schlachttieren her kennen. Diese Art der Herstellung ist erheblich teurer ist als die „herkömmliche“ Massentierhaltung, bei dem ein Hackbällchen in Golfballgröße in etwa eine viertel Million Euro kosten würde. Dennoch löste diese neue experimentelle Produktionsweise schon bei der Bekanntgabe eine Debatte aus, ob das Synthetik Fleisch aus dem Labor tatsächlich zukünftig einen Weg auf unsere Teller findet.

Bis es das synthetisch hergestellte Fleisch Marktreife erlangt, wird jedoch noch einige Zeit vergehen. Wissenschaftler aus Maastricht, Amsterdam und Eindhoven arbeiten dennoch intensiv an dem Projekt, um in ca. fünf Jahren komplexe Zellkulturen für den Bürger aus dem Labor herstellen zu können. Doch vorerst bleibt es ein Forschungsprojekt mit Grundlagenstatus.

Auch andere Wissenschaftler beschäftigen sich mit dem Thema. So beschreibt Dr. Gesa Schönberger, Autorin des Buches „Die Zukunft auf den Tisch“, dass wir in den kommenden Jahrzehnten Fleischersatz bekommen werden. Ob die Forscher dabei ein wirklich schmackhaftes, saftiges Steak aus einer Zellkultur in einem Labor heranzüchten können, ist fraglich. Denn Fleisch besteht schließlich nicht nur aus Muskelgewebe, sondern auch aus Sehnen und Fett. All das ist schwer zu synthetisieren. Gut möglich, dass aus dem Labor nur Hackfleisch auf unsere Teller kommen wird – denn das ist verhältnismäßig simpel nachzuahmen.

Risiken und Nebenwirkungen?

Wer irgendwann in ferner Zukunft ein Stück Labor-Fleisch auf dem Teller erwartet, wird sich unweigerlich fragen, wo der Haken bei der Sache ist. Unnatürlich ist es ja “irgendwie”, denn „Natürlich“ ist künstlich hergestelltes Fleisch nicht. Neben den horrenden Preisen der künstlichen Fleischherstellung wären Fleischliebhaber auch äußerst skeptisch, was den Geschmack der Produkte betrifft. Nach Weltraumkost und Molekularküche soll aber das zukünftige künstliche Fleisch im Endresultat originalgetreu schmecken. Zum Geschmack oder eventuellen “Nebenwirkungen” des Labor-Bratens liegen derzeitig noch keine Informationen vor. 

Synthetik-Fleisch – Lösung aller Probleme?

Tatsächlich wächst der Fleischkonsum der Menschen immer weiter an. Allein in den USA werden pro Stunde eine Million Burger verspeist. Mit dem wachsenden Wohlstand in Schwellenländern wie China und Indien steigt auch dort der Bedarf an Fleisch. Durch die Fleischproduktion wird die Umwelt auf der ganzen Welt erheblich belastet. Allein die Massen an Wasser, die zur Massentierhaltung benötigt werden, brauchen erhebliche Kapazitäten auf. Ganz anders soll das bei Laborfleisch werden: Die Forscher brauchen nur einen Bruchteil der Ressourcen, um die Zellkulturen zu züchten. Zumindest aus dieser Sicht dürfte dieses einige Tier- und Umweltfreunde erfreuen.

Andere Verfahren und Alternativen für einen Fleischersatz sind im Vergleich zum Retorten Fleisch in Ihrer Forschung wesentlich fortgeschrittener. Forscher des Frauenhofer Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) erstellen dabei aus Weizen, Erbsen, Lupinen oder Soja einen sogenannten pflanzlichen Fleischersatz, der mit seiner faserigen Struktur dem Fleisch ähnelt.

Was bisher noch Utopie war, könnte bald Realität werden. Aufgrund der begrenzten Ressourcen und der wachsenden zu ernährenden Bevölkerung auf unserem Planeten, müssen zwangsläufig neue Wege für die Ernährung gefunden werden. Auch das Essverhalten und die Esskultur werden dabei auf den Prüfstand gestellt. Ob nun das Retorten Fleisch aus Labor-Zellkulturen, das Pflanzenfleisch, Eiweiß- und Proteinquellen wie Algen, Heuschrecken und Co., in der Zukunft werden wir wohl alle nicht um ein Umdenken herum kommen. Wem das alles „nicht schmeckt“, der hat immer noch die Möglichkeit sich vegetarisch oder vegan zu ernähren.

SLH, Foto’s fotolia.com: Unhealthy Junk food woman © Ariwasabi

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WeeYoo Kategorie Ernährung

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