Nachhaltig naschen mit Balisto?
Der Anspruch des UTZ-Siegels
Seit 1981 ist der süße Riegel auf dem Markt und 30 Jahre später soll er neben unserem Magen nun auch den Bauern etwas Gutes tun. „Nachhaltig naschen“ – so heißt die Devise. Der Schokoriegel trägt zwar kein Bio-Siegel, dennoch wurde er nun zertifiziert – mit dem weitgehend noch unbekannten UTZ-Siegel. Das kleine, rote Emblem soll nun die Nachhaltigkeit des Knusperspaßes gewährleisten. Und es soll noch weiter gehen: Bis zum Jahr 2020 soll jedes Mars-Produkt zu 100 Prozent aus UTZ-zertifiziertem Kakao bestehen.
Um auf das rote Siegel aufmerksam zu machen, wurde extra ein Blogger in das Kakaoland Ghana geschickt, der dort die fairen Verhältnisse sicherstellen soll. Keine leichte Aufgabe, da Ghana, das drittgrößte Kakao-Exportland der Welt, nicht unbedingt für fairen Handel bekannt ist. Der ARD-Film Schmutzige Schokolade beweist, dass die Industrie oftmals nicht ausreichend über die Geschehnisse auf den Feldern informiert ist. Aus Mali und Burkina Faso kommen die meisten Kinder, die von ihren Familien an Kakaobauern verkauft (!) werden, um in Ghana und der Elfenbeinküste beim Anbau zu helfen. Ob Balisto da eine Lösung gefunden hat?
Claim: “Good Inside”
Der Konzern Mars scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Sozial, ökologisch und ökonomisch vertretbar muss ein Produkt sein, damit es auch in Zukunft den immer besser informierten Konsumenten schmeckt. Die Standards von UTZ Certified ähneln auf den ersten Blick denen bekannter Organisationen wie z.B. Transfair. „Good Inside“ lautet der Slogan, “Utz” bedeutet in der Sprache der Maya sogar “gut”. Um zertifiziert zu werden, müssen die Bauern gewisse Anforderungen erfüllen. Der Einsatz von Chemikalien muss auf ein “Minimum” reduziert werden, ist aber nicht gänzlich untersagt. Die Öko-Richtlinie ist also weniger streng als beim Bio-Siegel, für das Bauern ganz ohne Chemie wirtschaften müssen. Weiterhin verpflichten sich die Farmbetreiber, ordentliche Arbeitsbedingungen für ihre Mitarbeiter zu schaffen. Hierzu gehören Unterkünfte und medizinische Versorgung. Weiterbildungen in den Bereichen Betriebswirtschaft, soziale Arbeitsbedingungen und Umweltmanagement sollen für höhere Erträge und Einnahmen sorgen. Allerdings hält sich UTZ aus den Vertragsverhandlungen zwischen den Bauern und den Abnehmern raus. Mindestpreise oder mehrjährig fixierte Abnahmemengen wie bei den anderen FairTrade-Logos gibt es hier nicht. Fazit bis hierher: Fast Bio, aber nur fast. Und ein bisschen fairer, aber insgesamt noch zu wenig Schutz gegenüber dem Weltmarkt.
UTZ Certified – Wer ist dabei?
Die holländische Non-Profit-Organisation wurde 2002 gegründet. Vor allem die größeren Unternehmen setzen auf das kleine, rote Siegel. Neben Mars hat auch Tchibo zugesagt, für den deutschen Markt mehr und mehr von UTZ zertifizierte Produkte zu beziehen. UTZ gilt als der weltgrößte Kaffee-Zertifizierer. Tchibo bezieht den Großteil der begehrten Arabica-Kaffeebohne aus Guatemala, das für die Not der Bauern dort bekannt ist. Zur Erntezeit sind Schulklassen nur halb gefüllt, da die Kinder ihren Familien auf dem Feld helfen müssen – auch um Tchibo zu beliefern. Das Unternehmen ist zwar bemüht, Kinderarbeit zu unterbinden, räumt aber beim Marken-Check des WDR-Fernsehens ein: “Insbesondere während der Erntezeiten kann es immer noch zu unzulässiger Kinderarbeit kommen.” Der WDR bewertet entsprechend Tchibos Fairness, gemessen am eigenen Anspruch, als unzureichend. Weitere offizielle Kaffee- und Kakaopartner von UTZ sind u.a. Nescafé, McDonalds, Lidl – Unternehmen bei denen Fairness und ökologische Ansprüche nicht das erste sind, woran man unbedingt denkt. Die UTZ-Partnerliste findet man hier.
Sehr interessant ist der Traceability Service der Organisation. Manch einer kennt bereits das Programm von Transfair, wo man als Verbraucher per Produktcode die Herkunft seines Einkaufes bestimmen kann. UTZ Certified arbeitet auch in diesem Bereich, z.B. in Bezug auf Palmöl. Das steckt übrigens auch im Balistoriegel. UTZ arbeitet hier eng mit dem auf Forderungen des WWF gegründeten „Roundtable on Sustainable Palm Oil“ (RSPO) zusammen, der den nachhaltigen Anbau des begehrten Öls fördern möchte. Was der WWF unter “nachhaltigem Anbau” versteht, hat die ARD in der kritischen Reportage Der Pakt mit dem Panda dokumentiert.
Fazit: UTZ kann nur ein Schritt sein
Das Konzept von UTZ & Co. scheint so eine Art Bio-FairTrade-light zu sein. Eine einfachere Art, das Image aufzupolieren, als sich nach den strengen Kriterien anderer etablierter Siegel zu richten. Nicht zuletzt deshalb ist das UTZ-Siegel vermutlich so beliebt bei großen Konzernen. Wem echte Bio-Landwirtschaft und FairTrade am Herzen liegen, der wird hier nicht bedient. Nun ist die Frage: Ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung nicht besser als gar keiner? Vielleicht ist dies tatsächlich der notwendige Beginn der großen Unternehmen sich positiv zu verändern, denn wie es Juliette Caulkins, Geschäftsführerin von UTZ Certified auf der Website sagt: „If nothing ever changed, there would be no butterflies“.
SH, Foto Kakaobohnen: © Norman Chan, Fotolia.com, Foto Kaffee: © Rob Stark – Fotolia.com











Hm, schwierige Frage. Prinzipiell finde ich es schon besser, zumindest etwas zu tun als gar nichts zu tun. Andererseits ist sicher die Gefahr groß, dass es dann auch bei diesem “etwas” bleibt und nicht mehr getan wird, weil man ja seine Pflicht getan und der gesellschaftlichen Forderung Genüge getan hat.
Hier wäre ein besserer Informationsstand bei den Verbrauchern über Ökosiegel etc. wünschenswert, aber wohl auch eine große Herausforderung…
Viele Grüße,
Stefanie Norden