Optimismus – Vertrauen in wilden Zeiten
“Alles wird gut!” So lautet das Credo der Menschen, die stets positiv in die Zukunft blicken. “Alles ist gut”, sagen diejenigen, die daran glauben, dass alles seinen Sinn hat. Wie wir Krisenzeiten zu echten Chancen umwandeln…
Optimismus
Vertrauen in wilden Zeiten
Stell Dir einen erfolgreichen Manager vor, einen Geschäftsführer oder vielleicht sogar jemanden, der sein eigenes Business gegründet hat und der für die Sache brennt. Du kannst Dir auch eine liebevolle Mutter vorstellen, die für den Erhalt ihrer Familie alles tun würde. Oder ein engagiertes Vereinsmitglied, dem das Wohl seiner Organisation über alles geht und der seine ganze Freizeit opfert, um anderen Menschen einen Wert im Leben zu bieten. Plötzlich bricht alles weg, wofür diese Menschen so sehr brannten.
Das Geschäft geht pleite, erweist sich als völlig unwirtschaftlich. Der Ehemann der Mutter geht fremd und die Familie steht vor dem Aus. Zu den Vereinstreffen kommt niemand mehr und die Zusammenarbeit erweist sich als wenig produktiv – so sehr, dass der Verein selbst keinen Sinn mehr hat. Was dann? Diejenigen, denen die Sache so wichtig war, fallen in ein tiefes Loch. Doch dann… wenn alles andere weggerissen wird, was unser Leben aufmacht, haben wir die Chance, etwas ganz Neues zu entdecken. Wir entwickeln eine Art von Optimismus, der nicht von äußeren Umständen abhängig ist. Wir entdecken in uns die Ressourcen, die uns wirklich glücklich machen. Wir stecken in einer verzwickten Situation, aber wenn wir ihr eins abgewinnen können, dann ist es diese neu gewonnene Art von Optimismus. Denn das Leben hat immer zwei Seiten.
Das Geheimnis ist, loszulassen, was wir nicht mehr halten können – und gleichzetig alles anzunehmen, was durch dieses Loslassen neu in unser Leben kommt. Bis uns solche Schicksalsschläge ereilen, setzen wir auf materielle Dinge, sie bedeuten für uns Sicherheit. Dann aber geht’s diesen Strukturen an den Kragen. Wir stützen uns nicht länger auf starre Strukturen und lassen uns ein auf einen offenen Prozess, der uns dazu befähigt, Neues zu entdecken und mitzuwachsen mit dem Leben, das sich nun einmal schnell verändern kann. Das hat auch viel mit Vertrauen zu tun – Vertrauen in die Zukunft, was immer sie bringen mag. Wenn etwas Altes geht, kommt etwas Neues. Darauf sollten wir uns freuen.
Verantwortung be- und aufgreifen
Auch in den schwersten Zeiten Zuversicht zu bewahren, dazu gehört eine große Portion inneren Wachstums. Denn in diesen Momenten geht es darum, selbst Verantwortung zu übernehmen. Bei einem Zusammenbruch des Außen erhalten wir die Gelegenheit, unser Lebensumfeld neu und aktiv zu gestalten. Auf der persönlichen Ebene kann das eine berufliche Umorientierung oder das Knüpfen neuer Freundschaften beinhalten. Tiefgreifender und umwälzender sind allerdings echte gesellschaftliche und wirtschaftliche Krisen, wie sie von vielen für die nächsten Jahre prognostiziert werden. Dabei sollten wir sie als echte Chance begreifen.
Die Währung bricht zusammen? Dann ist der Moment goldrichtig, um regionale Währungen und Mikro-Gemeinschaften aufzubauen. Die Weltwirtschaft bricht zusammen? Nun können neue, sinnvolle und lebenserhaltende Strukturen erschaffen werden – weg von der geplanten Überproduktion mit eingebautem Versagensdatum der Waren, hin zu langlebigem, guten Design und Qualität. Vielleicht schaffen wir es sogar, endlich einmal Produkte zu entwickeln, die der Umwelt gut tun, statt sie immer nur zu belasten…
Niemals aufgeben
Stell Dir vor, Du sollst ein kniffeliges Rätsel lösen – z.B. Sudoku für Fortgeschrittene. Nicht sofort kommst Du auf die richtige Kombination. Nun hast Du im Prinzip zwei Möglichkeiten. Du kannst es entweder zur Seite schleudern, Dich ärgern und Dir selbst erzählen, dass Du zu dumm bist für so etwas. Oder: Du kannst verschiedene Möglichkeiten ausprobieren und wenn dann eine zielführend erscheint, diese systematisch weiterverfolgen. Wenn Du möchtest, kannst Du auch andere Menschen um Hilfe bitten. Schritt für Schritt, allein oder gemeinsam findet man zu einer Lösung.
Wenn die Welt um uns herum zusammenbricht, müssen wir nicht sofort alle Antworten kennen. Entscheidend ist, ob wir uns schicksalsergeben hinknien und bemitleiden oder ob wir aktiv daran gehen, neue Lösungen zu finden oder zu generieren. Wenig Sinn macht es da, auf einen großen Anführer zu warten, der alle Antworten kennt und der es schon richten wird. In dieser Krise sind wir alle gefragt und gefordert. In Kooperation statt Konkurrenz können wir Menschen unsere geistigen und körperlichen Kräfte bündeln. Miteinander statt gegeneinander arbeiten. Und so unser wahres Potential als Menschheit entfalten.
Optimisten leben länger
Der wahre Optimist packt erst einmal sein Surfbrett aus, wenn eine große Flut auf ihn zukommt. Denn er möchte auf den Wellen des Lebens reiten. Er hält negative Ereignisse für vorübergehend und die Welt im Großen und Ganzen für wunderschön. Der Pessimist hingegen erklärt Belastendes zum Dauerzustand, wobei positive Ereignisse schnell vorbeiziehen. Wer hat nun Recht? Schwer zu sagen, aber eins steht fest: Optimisten leben länger. Sie erfreuen sich besserer Gesundheit, haben mehr Spaß am Leben und sind eher in der Lage, neue und kreative Lösungen zu finden, einfach weil sie nach ihnen suchen. “Manchmal ist es ein großes Glück, nicht das zu bekommen, was man möchte” – dieses Sprichwort kann nur von einem Optimisten stammen.
“Mache Dir bewusst, dass große Liebe und große Erfolge mit einem großen Risiko verbunden sind”, so lautet eine weitere weise Redensart. Wenn das so ist, tanzen wir nun auf dem schmalen Grat hin zu fantastischen neuen Möglichkeiten für uns als Gesellschaft. Allerdings müssen wir auch losgehen, nur so können wir herausfinden, was uns am anderen Ende erwartet.
Können wir das schaffen? Frei nach Bob der Baumeister: ” Jo, wir schaffen es.”
DW/FLK/WeeYoo, Fotos: Regenschirme © beawolf, Pflänzchen © Michael Nivelet; Männer © LAURENT VICENZOTTI
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