RFID-Chips nun auch in Kleidung – Achtung, Deine Klamotten funken
Wie ein Hund einen Chip tragen, der es dann Unternehmen ermöglicht, Bewegungsprofile zu erstellen – die RFID-Technologie wird nun immer breiter eingesetzt. Bisher fand sie sich nur in Gegenständen, die mehr oder weniger ablegbar sind. Doch nun werden RFID-Chips teilweise unsichtbar in Kleidung vernäht. Die Risiken, die Konsequenzen und wie man sich schützen kann…
RFID-Chips nun auch in Kleidung
Achtung, Deine Klamotten funken
Es gibt Menschen, die finden RFID-Chips in Klamotten toll. Einige Händler und Hersteller zum Beispiel. Denn die Chips ermöglichen ihnen, ganz einfach ihre Lagerbestände zu überprüfen und täglich binnen einer halben Stunde Inventuren durchzuführen. Außerdem – und hier kommt der Nachteil für den Kunden – lassen sich theoretisch auch Bewegungsprofile erstellen und die Gewohnheiten der Kunden erfassen.
“Es ist vorstellbar, dass irgendwann Daten im großen Stil erfasst werden und dass sogar mit ihnen gehandelt wird”, warnt padeluun, Gründungsvorstand des Datenschutz-Vereins FoeBuD e.V. im WeeYoo-Interview. Möglich wäre die flächendeckende Installation von Antennen zum Auslesen an Bushaltestellen, in Einkaufsmeilen und nahezu jedem Ladengeschäft. Informationen darüber, wer wie lange vor welchem Regal steht, könnten zur Handelsware werden. Wir wären noch mehr Elektrosmog ausgesetzt, als ohnehin schon. Und die Umwelt würde noch mehr belastet durch den Sondermüll aus Silizium-Substrat, Kupfer, Blei und Kunststoff.
Gerry Weber Vorreiter in Sachen RFID
“Vorreiter” in Sachen Oberbekleidung mit RFID ist das deutsche Unternehmen Gerry Weber. Sämtliche Produkte dieses Modehauses enthalten mittlerweile einen RFID-Chip. Eingebaut werden sie auf dem Etikett mit dem Pflegehinweis. Werden diese nicht entfernt, so können Kundinnen selbst mit mehreren Metern Abstand anhand der Identifikationsnummer wieder erkannt werden. Das demonstrierte der FoeBuD mit einer Aktion direkt vor der Gerry Weber-Filiale in Bielefeld.
Etikett mit RFID-Chip immer heraus trennen
Da der RFID-Chip viele Wäschen überstehen und monatelang halten kann, empfiehlt der FoeBuD, Pflege-Etiketten mit RFID-Chips konsequent abzuschneiden. Auf den Gerry Weber-Etiketten steht der explizite Hinweis “RFID inside – Remove before wearing”, also “vor dem Tragen entfernen”. Das Unternehmen versichert dazu, keine personenbezogenen Daten zu speichern und z.B. niemals den Namen des Kunden mit einer RFID-Nummer zu verknüpfen. Den Datenschützern von FoeBuD reicht das nicht. “Wir fordern, dass alle Chips vor Verlassen des Ladens, also an der Kasse, entfernt werden”, sagt Aktivist padeluun. “Zudem legen nicht alle Hersteller so viel Wert auf kundenorientiertes Verhalten.”
Das Problem ist nicht, dass Gerry Weber die Chips einsetzt, sondern das auch ganz andere Menschen oder Konzerne die Chips auslesen können, sobald die Menschen sie auf der Straße – bewußt oder unbewußt – mit sich herumtragen.
Der italienische Hersteller Peuterey geht z.B. einen Schritt weiter. Hier werden RFID-Chips in den Bekleidungsartikeln nicht gekennzeichnet, sondern sogar fest in die Kleidung eingenäht. Dabei gibt es nicht eine bestimmte, sondern viele verschiedene Stellen, an denen sie eingenäht werden, so dass es für den Kunden schwierig bis unmöglich wird, diesen zu finden und zu entfernen. Das Unternehmen rechtfertigt sich damit, die Menschen seien über die Fachpresse ausreichend über das Einnähen der RFID-Chips aufgeklärt worden, so eine Stellungnahme gegenüber dem WDR-Magazin “Markt”.
Wie funktioniert RFID?
RFID steht für “Radiofrequenz-Identifikation”. Lesegeräte senden elektromagnetische Wellen an den RFID-Chip. Dieser wird per Induktion aktiviert und schickt die Wellen zurück – samt gespeicherter Identifikations-Nummer. Das funktioniert bei bestimmten RFID-Typen selbst bei 2 – 8 Metern Abstand, bei einigen Lesegeräten sogar bei 12 Metern Abstand.
Die Identifikationsnummer kann auf Personen bezogen werden. In den USA gibt es bereits ein Patent für das Tracking (also das Erstellen von Bewegungsprofilen) von Personen aufgrund der RFID-versehenen Gegenstände, die sie bei sich tragen.
Wo sind RFID-Chips eingebaut?
Die Verwendung von RFID in der Bekleidungsindustrie ist recht neu. Doch in einer Vielzahl von Alltagsprodukten werden sie schon länger eingesetzt, so z.B. in Personal-, gewissen Bibliotheks- und Studentenausweisen und bestimmten Payback-Karten. Diese Karten und Ausweise arbeiten mit einer schwächeren Frequenz als die Kleidungs-RFIDs. Dennoch: Gemäß Angaben des FoeBuD soll der Personalausweis Lesegeräten, die stärker als erlaubt senden, bis zu einem Abstand von mehreren Meter auslesbar sein.
Kann ich RFID-Chips deaktivieren?
“Mittlerweile kursieren im Internet viele Anleitungen, wie der RFID-Chip mit Hilfe einer Mikrowelle dauerhaft ausgeschaltet werden kann”, erzählt FoeBuD-Aktivist padeluun. “Das ist tatsächlich eine Möglichkeit, z.B. den Personalausweis wieder sicher zu machen, nachdem er von der Regierung unsicher gemacht wurde.” Denn schließlich bestünde ja die Gefahr, dass biometrische und sonstige Daten auch von Unbefugten ausgelesen werden könnten. Ganz praktisch erklärt er, worauf man bei der Mikrowellen-Aktion achten sollte: “Bei manchen Geräten dauert es nach dem Einschalten einen Moment, bis wirklich Mikrowellen abgesondert werden. Zum Test sollte man eine Alufolie hineinlegen und die Zeit abmessen. Wenn sie Funken schlägt, sind die Mikrowellen aktiv. Allerdings sei diese Vorgehensweise nicht bei allen RFID-gechipten Produkten praktibel. “Ein dicker Wintermantel passt nicht in die Mikrowelle”, gibt padeluun zu bedenken. Außerdem gäbe es aufgrund der Funken oft unschöne Verfärbungen oder sogar Beschädigungen des umliegenden Materials.
Die Forderung der Datenschützer ist deshalb ganz klar: Bei Übergabe an den Kunden müssen RFID-Chips standardmäßig entfernt werden. Damit sich alle Firmen danach richten, wird wohl mittelfristig ein Gesetz auf Basis einer soliden Technikfolgenabschätzung von Nöten sein, am besten mindestens auf EU-Ebene.
“Radiofrequenz-Identifikation ist eine Warenmarkierungstechnologie mit gravierenden gesellschaftlichen Folgen”, warnte der FoeBuD bereits vor Jahren. “Missbräuchlich genutzt, kann die Privatsphäre von Konsumenten grundlegend gefährdet werden, bis hin zum Verlust der Käuferanonymität und -souveränität und zur Bedrohung bürgerlicher Freiheiten.”
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