Roundup: Giftiger als gedacht
Geburtsdefekte, Krebs & Co. durchs Gärtnern?
Die meisten Hobby-Gärtner kennen das Unkrautvernichtungsmittel Roundup, haben es zumindest schon einmal im Baumarkt gesehen. Praktisch soll es sein, einmal aufs Unkraut gespritzt und schon ist Ruhe. Außerdem ist es billig und ist wohl auch deshalb das meistverkaufte Spritzmittel der Welt.
Doch das Herbizid Roundup basiert auf Glyphosat. Diese Chemikalie ist eine Weiterentwicklung des Entlaubungsmittels Agent Orange, das im Vietnamkrieg eingesetzt wurde und unter anderem schreckliche Missbildungen bei Kindern verursachte. Ehemalige US-Soldaten, die mit Agent Orange in Berührung gekommen waren, reichten 1985 Sammelklage ein und erhielten bis 1994 insgesamt 194 Millionen Dollar Entschädigung. Eine Klage der vietnamesischen Opfer wurde dagegen 2005 abgewiesen (es habe sich nicht um ein Kriegsverbrechen gehandelt).
Die Mischung macht’s noch toxischer
Die Beimischung von Netzmitteln macht Roundup noch toxischer als Glyphosat allein. Doch gegen die dringende Empfehlung des deutschen Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), den problematischen Stoff Tallowamin in der Mischung zu ersetzen, hat der Hersteller Monsanto Widerspruch eingelegt.
Zwei unabhängige Studien, die in der US-amerikanischen Fachzeitschrift „Chemical Research in Toxicology“ publiziert wurden, zeigen, dass Roundup Zellen schädigt – und zwar bis hin zur Nekrose, einem Zustand, in dem Zellen unkontrolliert absterben und so schwerste Gewebeschäden nach sich ziehen können.
Geburtsdefekte in Gen-Soja-Anbaugebieten
Letztes Jahr wurde in Argentien unter der Leitung von Prof. Andrés Carrasco eine Studie durchgeführt. Der Professor wunderte sich über die abnormal hohe Rate der Geburtsdefekte in Gebieten, in denen genmanipuliertes Soja angebaut wird. Das sind insgesamt übrigens 19 Millionen Hektar – allein in Argentien. Das Gen-Soja wird standardmäßig mit Roundup gespritzt, da es eine eingebaute Resistenz gegen das Gift hat. Alles stirbt auf dem Acker, außer das Gen-Soja – ein massives öko-toxikologisches Experiment.
Das hochkarätige internationale Team um Prof. Carrasco testete Roundup an Frosch- und Hühnerembryonen. Obwohl die verwendete Konzentration der Lösung deutlich niedriger war als im normalen Gartengebrauch, erlitten die Embryonen Schäden. Die EU-Kommission sieht jedoch bisher keinen Handlungsbedarf. Auch Erkenntisse anderer Studien, z.B. dass Roundup das Erbgut schädigt, in das Hormonsystem eingreift, die Reproduktion erschwert und zudem neurotoxisch ist, scheinen bisher nicht zu stören.
Die Rückstände auf Gen-Sojabohnen liegen je nach Betrachtungsweise nah an der menschlichen (und tierischen) Toleranzgrenze – oder auch darüber. Laut FAO beträgt der Grenzwert 20mg/kg. Auf entsprechend behandelten Sojabohnen wurden bis zu 17 mg/kg gemessen. Prof. Carrascos Ergebnissen zufolge reichen schon 2,03 mg/kg, um Geburtsdefekte auszulösen.
Eine weiterführende Bewertung mehrerer Wissenschaftler findest Du hier . Eine Studie von Prof. Robert Bellé, die ergab, dass Roundup krebserregend ist, findest Du hier.
DW, Foto: © Sven Hoppe – Fotolia.com
Weitere Infos zum Thema
Kampf um die Gemeingüter – Vandana Shiva








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