Rüstungsindustrie und Nachhaltige Investmentfonds?
Nachhaltige Investmentfonds auf dem Prüfstand – Untersuchung belegt fragwürdige Investitionen in die Rüstungsindustrie…
Rüstungsindustrie und Nachhaltige Investmentfonds?
Berlin / Hamburg. Am 11.04.2012 präsentiere in Berlin die Grüne-Bundestagsfraktion eine Studie, in der zehn nachhaltige Investmentfonds genauer unter die Lupe genommen wurden. Mit dem Ergebnis, das bei neun von zehn Kapitalanlagen das Geld der Anleger im Allgemeinen nicht in ökologische, umweltfreundliche und nachhaltig einwandfreie Projekte investiert wurde, sondern „direkt oder indirekt“ auch in Unternehmen der Atom- und Rüstungsindustrie.
Die Studie wurde im Auftrag der Grünen beim Wirtschafts- und Finanzjournallisten Jochen Bettzieche erstellt. So wirbt zum Beispiel ein nachhaltiger Investmentfond mit dem Verzicht auf Kernkraftinvestitionen, steckt aber das Anlegergeld direkt in einen Konzern, der wiederum an einem Atomstrom-Produzenten beteiligt sei. Insgesamt haben nach der Studie neun Fonds die Gelder der Privatanleger in Bereiche der Produktion und Vermarktung von Öl und Gas Unternehmen gelenkt, und nicht nur in Windkrafträder oder Solaranlagen.
So wurde zum Beispiel in Bereiche wie Bohrungen in der Tiefsee, Gewinnung von Ölsanden bis hin zu Investitionen zum Bau von Atomkraftwerken und deren Vermarktung für die Stromversorgung an den Endverbraucher investiert. Viele Anleger von nachhaltigen Fonds waren sicherlich verwundert, als Sie einen Blick auf Ihr Portfolio geworfen haben und Aktien von einem Mineralölkonzern darin vorfanden.
Ein Einzelfall, anscheinend nicht. Schon letztes Jahr gab es Stimmen, die einen gesetzlichen Standard bzw. ein Gütesiegel für Öko-Fonds ansprachen. So äußerte sich Armand Colard vom WWF Österreich in einem Interview mit foonds.com, zu den Öko-Kriterien und ökologischen Bedürfnissen der Gesellschaft für nachhaltige Investmentfonds. Angesichts der aktuellen Ergebnisse aus der Studie, befindet auch der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick, dass klare gesetzliche Mindeststandards für das Bewerben von nachhaltigen Investmentfonds notwendig sind.
Nachhaltigkeit scheint ein weitdehnbarer Begriff in der Finanzwelt zu sein. Der Begriff ist nicht geschützt und wird dadurch gerne beliebig verwendet. Für den Verbraucher und Anleger entsteht dadurch ein undurchschaubares und verwirrendes Angebot bei nachhaltigen Investmentfonds. Die Nachfrage an nachhaltigen Anlagen wächst, und das Vertrauen in solche Anlagen sollte gestärkt werden. Ohne einheitliche Mindestkriterien für nachhaltige Investmentfonds, bleibt dem Anleger von heute nichts anderes übrig, als jeden Fond und dessen Investmentportfolio genauer zu betrachten und nachzufragen, wo die Gelder tatsächlich hinfließen. Auch wenn dieses einen erheblichen Mehraufwand an Zeit bedeutet.
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