Vom Tisch in die Tonne und dann? Lebensmittel-Recycling

Die umweltfreundlichen Alternativen zur Müllkippe. Mit Essen spielt man nicht. Richtig. Aber recyclet man Essen auch nicht? WeeYoo hat ein paar Tipps und Infos, wie so etwas aussehen könnte.

Vom Tisch in die Tonne und dann? Lebensmittel-Recycling

Lebensmittel-Recycling

Lebensmittel-Recycling

Hamburg, den 13.07.2012

Die umweltfreundlichen Alternativen zur Müllkippe. Mit Essen spielt man nicht. Richtig. Aber recyclet man Essen auch nicht? Es klingt natürlich schon verdammt dekadent, wenn wir fragen, wie wir weggeworfene Lebensmittel möglichst sinnvoll wiederverwerten können.

Doch wir sollten dabei den Tatsachen ins Gesicht sehen: In Deutschland wandern jedes Jahr Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll, meldet die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Da wäre es doch gut, zumindest für einen Teil mit Hilfe von Lebensmittel-Recycling eine sinnvolle zweite Chance zu finden… WeeYoo hat ein paar Tipps und Infos, wie so etwas aussehen könnte.

Recyclingklassiker: Der Komposthaufen

Der Komposthaufen ist sozusagen der Klassiker des Lebensmittel-Recyclings. Glücklich also der, der einen Garten, eine Laube, eine Dachterasse oder zumindest einen großen Balkon hat. Denn der kann seine ausrangierten Lebensmittel selbst recyclen. Aber Achtung: In einen Komposthaufen gehören nur frische, nicht verarbeitete Lebensmittel, die aus unserer Region stammen. Zitronen- oder Bananenschalen haben dort also ebensowenig zu suchen, wie ein Früchtejoghurt oder gekochte Nudelreste. Letztere ziehen nämlich die Ratten und Mäuse an. Eine Anleitung für’s richtige Kompostieren findest Du unter anderem hier.

Recycling in der Wohnung: Die Wurmkiste

Aber auch wer keinen Balkon hat, kann wertvollen Kompost erzeugen. Das Geheimnis dieser Form des Lebensmittel-Recyclings lautet »Wurmkiste«. Dabei handelt es sich um eine Holzkiste mit mehreren Kammern und eben Würmern darin, die für den Zersetzungsprozess der Recycling-Lebensmittel sorgen. Ideal für die Wurmkisten sind Obst-, Gemüse- und Kartoffelschalen , Kaffeesatz (auch mit Filtertüten), Teeblätter, Haare von Menschen und Tieren, zerkrümelte Eierschalen, verblühte Schnitt- und Topfblumen sowie Speisereste in kleinen Mengen. Eine Anleitung, wie Du eine Wurmkiste für’s Lebensmittel-Recycling bauen und nutzen kannst, findest Du hier.

Co-Cooking: Lebensmittel teilen

Wenn Du feststellst, dass Dein Auge mal wieder größer war, als Dein Magen, dann verbinde doch einfach mal das Angenehme mit dem Nützlichen: Lade Freunde, Verwandte zum Essen ein. Oder auch Nachbarn, die Du gerne mal kennenlernen möchtest – spring über Deinen Schatten! Portale wie co-cooking erleichtern es Dir ebenfalls, neue Gleichgesinnte zu finden. Auch vor dem Urlaub oder einem Tripp ins verlängerte Wochenende solltest Du immer versuchen, Abnehmer für die Reste in Deinem Kühlschrank zu finden. Übrigens gibt es von den Machern des äußerst sehenswerten Dokumentarfilms “Taste The Waste” auf der Crowsdfunding-Plattform Kickstarter auch ein neues Projekt: Eine Plattform, über die Privatpersonen, Händler und Produzenten Lebensmittel teilen können, die sie nicht mehr brauchen. Wenn Du das gut findest, dann finanziere die Idee mit unter www.startnext.de/foodsharing.

Lebensmittel für Tiere

Natürlich fällt Lebensmittelmüll nicht nur im privaten Haushalt an, sondern auch im großen Stil im Laufe der Produktion, des Transports, der Verkaufs oder in gastronomischen Einrichtungen wie KITAs, Restaurants, Hotels oder Kantinen. Ein Komposthaufen oder eine Wurmkiste für diesen riesigen Müllberg wäre gar nicht möglich. Leider dürfen Lebensmittel seit 2006 nicht mehr recyclet werden, indem man sie an Tiere verfüttert – was wir Menschen seit Jahrhunderten getan haben. Doch nach der BSE-Krise haben die Regierungen in Europa beschlossen, dass sie diese Form des Lebensmittel-Recyclings als Quelle für Krankheiten ausschließen möchten. Über die Sinnhaftigkeit dieser Entscheidung wird bis heute gestritten…

Lebensmittel auf die Tafel

Für Restaurants, Supermärkte und ähnliche Lebensmittel-Vielverbraucher gibt es hingegen schon seit Jahren die Möglichkeit, noch verzehrbare Lebensmittel an die sogenannten Tafeln abzugeben. In nahezu jeder deutschen Stadt gibt es mittlerweile eine Zweigstelle des bundesweiten Vereins. Mehrere Zehntausend Tonnen Lebensmittel erreichen die Tafeln deutschlandweit jedes Jahr, schätzt Anke Assig vom Bundesverband Deutsche Tafel. Allein die Berliner Tafel verteile 550 Tonnen im Monat, berichtet das Greenpeace Magazin. Lebensmittel-Recycling kann man das zwar nicht so wirklich nennen, aber es ist wohl die beste Art mit dem umzugehen, was wir zu viel haben. Übrigens: Bei den Tafeln kannst Du Dich auch ehrenamtlich engagieren und beim Abholen und Verteilen der Lebensmittel helfen.

Lebensmittel-Recycling in Biogas-Anlagen

Wo viel ist, ist immer auch Geld. Und so ist mittlerweile auch eine ganze Branche entstanden, die sich mit dem Recycling von Lebensmitteln befasst. Etwa 200 Biogas-Anlagen sollen laut Greenpeace in Deutschland ausschließlich Lebensmittel und Speisereste recyclen. Darunter auch Lebensmittel aus Supermärkten, noch originalverpackt, aber eben vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehend: eingeschweißtes Hackfleisch, Joghurtbecher, Orangensaft-Kartons, Gläser mit Eingemachtem, Unmengen von Brot aus Backfilialen, die bis zum späten Abend noch die Regale voll haben müssen (so will es der Mietvertrag mit den meisten Supermärkten)… Auch altes Brat- und Frittierfett findet hier zum Beispiel seine Weiterverwendung. All dies wird in riesigen Anlagen zu Biogas und Biodiesel verarbeitet.

Die Betreiber sprechen natürlich davon, die Umwelt zu entlasten – immerhin müsse so kein Erdöl verbraucht werden und damit werde also CO2 gespart. Ob es allerdings tatsächlich das Klima schützt, wenn wir zum Beispiel erst die Meere leer fischen, dies dann zu Ölsardinen verarbeiten in energie-aufwendige Blechdosen packen, durch die Gegend schicken und dabei Sprit verbrauchen, in Regale räumen und schließlich mit dem Lastwagen zu Biogas-Anlage karren – um dann angeblich umweltfreundlichen Biosprit zu erzeugen, darf ernsthaft bezweifelt werden! Fest steht: So wichtig Lebenymittel-Recycling im privaten Bereich ist. So dringend sollten wir unsere Lebensmittelproduktion und unseren Lebensmittelhandel neu ausrichten, damit diese gigantischen Lebensmittelabfälle gar nicht erst entstehen.

SLH, Foto’s fotolia.com: Vector red apple earth © Lota

Mehr zum Thema:

Buchtipp:
“Die Essensvernichter”
– Taste the Waste – Warum die Hälfte aller Lebensmittel im Müll landet und wer dafür verantwortlich ist.  Von Valentin Thurn und Stefan Kreutzberger (erhältlich bei Thalia für 16,99 Euro).

“Taste the Waste” – Rezepte und Ideen für Essensretter. Von Gundula Christiane Oertel und Valentin Thurn ((erhältlich bei Thalia für 18,99 Euro).

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