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“Wir haben es satt!” 23.000 Menschen demonstrieren für eine nachhaltige Agrarpolitik

 ”Wir haben es satt!”

23.000 Menschen demonstrieren
für eine nachhaltige Agrarpolitik

 

Lebensmittelskandale, Genfood, systematische Tierquälerei in Megaställen -”Wir haben’s satt” riefen die 23.000 Demonstranten, die am Samstag, den 21.1.2012, vors Bundeskanzleramt in Berlin zogen. Ihre Forderung: endlich eine Agrarwende und zwar hin zu einer nachhaltigen, fairen und bäuerlichen Landwirtschaft. “Bauernhöfe statt Agrarindustrie” lautete das Motto.

Eine Neuausrichtung der Landwirtschaftspolitik sollte Agrarsubventionen an ökologische, soziale und Tierschutzkriterien binden, Subventionen für den Agrarexport sähen die Demonstranten am liebsten ganz gestoppt. Initiiert wurde die Demo von der Kampagne “Meine Landwirtschaft”, ein Bündnis aus 90 Organisationen aus den Bereichen Umwelt-, Natur- und Tierschutz, bäuerlicher Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Entwicklungszusammenarbeit.

Diese Bedingungen wollen wir nicht mehr!

1. Nahrungsmittelspekulationen

malariakranke frau

Hungernde in einem Flüchtlingscamp in Dolo Addo

Die Nigerianerin Mariann Bassey, Sprecherin von Friends of the Earth, mahnte: „Die Politik hat schrankenlose Spekulationen auf Lebensmittel erst möglich gemacht. Gleichzeitig ist sie für den Landraub für Futtermittel und Agrosprit in den Ländern des Südens verantwortlich. Das alles treibt die Lebensmittelpreise hoch und schließt Hungernde vom Zugang zu fruchtbarem Land und zu Lebensmitteln aus. Für das Menschenrecht auf Nahrung müssen Spekulation und der Agrospritboom ausgebremst werden. Die Europäische Agrarpolitik braucht eine Kehrtwende weg von Überproduktion und Fleischexporten.“

2. Verseuchtes Fleisch aus Massentierhaltung

Die Massentierhaltung ist auf Antibtiotika-Gaben angewiesenDie Köchin, Gastronomin und Buchautorin Sarah Wiener sagte: „Jüngst wurden antibiotikaresistente Keime in Hühnerfleisch gefunden – dies ist  vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. Wir haben diese ständigen Lebensmittelskandale satt. Es ist höchste Zeit, dass endlich grundlegende Konsequenzen daraus gezogen werden. Wir müssen weg von der Agrarindustrie, hin zu einer bäuerlichen und nachhaltigen Landwirtschaft.”

Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, stimmt dem zu: „Es geht um die Systemfrage: Lassen wir es weiter zu, Tiere in Haltungssysteme zu zwingen, die ihnen Schmerzen und Leid zufügen? Denn das ist heute der Alltag für Millionen von Tieren. In den Intensivhaltungen leiden sie direkt. Unter den Folgen leiden aber auch Umwelt, Bäuerinnen und Bauern sowie VerbraucherInnen. Daher braucht es den Schulterschluss gesellschaftlicher Gruppen. Wir kämpfen für mehr Tierwohl im Stall, gegen Gentechnik- Futtermittelimporte aus Übersee und für mehr Unterstützung der bäuerlichen, artgerechten Landwirtschaft.“

3. Genfood

Monokultur MaisDer Jung-Bauer Moritz Schäfer von der jungen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (jAbL) betonte: „Unser breiter Protest gegen die Agrogentechnik wirkt: BASF musste ihre Gentech-Kartoffel in Europa aufgeben, da die gesellschaftliche und bäuerliche Akzeptanz fehlt. Es ist auch eine schallende Ohrfeige für die Bundesregierung, denn die Amflora von der BASF war die erste Kartoffel, die es in einen Koalitionsvertrag schaffte.”

4. Monokulturen, Pestizide & Co.

Die Hälfte aller bekannten Obst- und Gemüsesorten sind verschwunden, sie sind ausgestorben. In den letzten 200 Jahren ist die Zahl der Apfelsorten von 7000 auf weniger als 100 Sorten gesunken. Bekommen haben wir Uran-Dünger, hochgiftiges Unkrautvernichtungsmittel, massenhaftes Bienensterben. Achja: Und Pestizide, die dazu ausgelegt sind, Tiere zu töten. Ob die unserem Organismus wirklich so egal sind, besonders wenn man täglich einen ganzen Pestizidcocktail zu sich nimmt? Um unkontrollierte chemische Reaktionen in unserem Körper zu vermeiden, wünschen wir uns 100 Prozent Bio-Anbau. Damit könnten auch doppelt so viele Nahrungsmittel produziert werden, als mit konventionellen Methoden, sagt die UN

5. Lebensmittelverschwendung

"Unschönes" wird aussortiertEntspricht unser Obst und Gemüse nicht bestimmten Normen, schafft es oftmals noch nicht einmal den Weg bis zur Ladentheke. Tomaten müssen einen bestimmten Rotton haben, sonst werden sie gnadenlos aussortiert. Kartoffeln, die zu klein, zu groß, zu knubbelig sind, werden bereits auf dem Feld aussortiert. Und die seit 2009 wieder abgeschaffte EU-Gurkenverordnung (maximal zehn Millimeter Krümmung auf zehn Zentimetern Gurkenlänge) hat nur wenig sichtbaren Effekt. Eine Schnell-Umfrage in der WeeYoo-Redaktion ergibt, dass die Hamburger Läden trotzdem ausschließlich gerade Gurken zu verkaufen scheinen. Sind sie tatsächlich so geformt, weil sie an der Stange gezogen werden, oder wird immer noch aussortiert?

"Geschmack ist bei Gemüse wichtiger als Aussehen"

Oksana Michaelis ist Praktikantin im WeeYoo-Team und engagiert sich für diverse Projekte des WeeYoo e.V.

WeeYoo-Praktikantin Oksana reagiert empört: “Die sollen sich mal lieber Gedanken über den Geschmack statt das Aussehen machen. Das Gemüse und Obst schmeckt doch nur noch nach Wasser. Früher, als wir aus dem Garten meiner Oma in Omsk (Russland) gegessen haben, haben wir das so genossen. Hier ist es kein Wunder, wenn Leute keine Lust mehr auf Obst und Gemüse haben!”

Zum Glück gibt es löbliche Ausnahmen. Gärtner und Bauern, die nach Permakultur- bzw. Biorichtlinien vorgehen, verbessern die Bodenqualität. Das Resultat: Mehr Geschmack – und das völlig giftfrei.

DW, Fotos: Demo © Volker Gehrmann/ www.wir-haben-es-satt.de, Hungernde © humedica/Judith Kühl, Huhn © Mike Kiev – Fotolia.com, Mais © Rebel – Fotolia.com, Gurke © ArTo – Fotolia.com, Oksana © kajus


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